Jan Matejsek vom Schönborn-Gymnasium hat belegt, dass biologisch abbaubare Einkaufstüten nicht so schnell verrotten wie angegeben. Das war preiswürdig!

Jan Matejsek ist stutzig geworden, als er im heimischen Kompost größere Stücke von Einkaufstüten gefunden hat, die es so eigentlich gar nicht geben dürfte. "Nach drei bis vier Monaten sollten 90 Prozent der Tüten abgebaut sein", sagt der 13-Jährige. So jedenfalls lautet die Angabe zu biologisch abbaubaren, plastikähnlichen Tüten, die zum großen Teil aus Maisstärke bestehen. Aber eben nicht nur. Die restlichen Substanzen sind das Problem. Der junge Forscher hat sich die Kleinstlebewesen im Kompost ein wenig näher angeschaut und ist zu einem Schluss gekommen. "Erdöl ist nicht gut für die Bakterien." 

Physik Jan Matejsek Mai2017

Sonderpreis gewonnen

Die Fachberaterin Physik, Petra Bieber, ist begeistert von den Ergebnissen, die ihre Schüler beim Regionalwettbewerb "Jugend forscht" (für die älteren) und "Schüler experimentieren" (für die jüngeren) erreicht haben. Je vier waren angetreten, je drei erzielten Preise. Niklas Volk hat inzwischen beim Landeswettbewerb "Jugend forscht" mit seiner Brennstoffzelle einen Sonderpreis geholt, jetzt stellt Jan Matejsek sein Projekt beim Landeswettbewerb "Schüler experimentieren" in Dingolfing vor. Rechnet er sich Chancen aus? "Ein wenig Hoffnung ist immer da."
Nachdem er wegen der relativ großen Tütenstückchen im Kompost stutzig geworden war, wollte es Jan Matejsek genauer wissen. Denn auf der Verpackung und auf der Internetseite eines Herstellers ist angegeben, dass die Tüten keinem Lebewesen Schaden bringen. Also hat der 13-Jährige in zwei kleinen Kästen Kompost eingesetzt. In einen gab er Maisstärke hinzu, in den anderen Schnipsel der biologisch abbaubaren Tüten, die ja zum größten Teil ebenfalls aus Maisstärke bestehen.

Stücke waren noch da

Dann musste er erst einmal warten. Rund vier Monate später hat er die Mini-Komposthaufen "umgegraben" und in einem noch immer die Tütenstücke gefunden. In zwei Petrischalen setzte er dann Bakterienkulturen an, die er aus den beiden Kompost-Schachteln gewonnen hat. Das Ergebnis war ernüchternd.
Zahlreiche Bakterien tummelten sich in der Schale, die aus dem Kompost mit Maisstärke stammten. In der anderen sah die Sache anders aus. Er fand lebende Bakterien mit Löchern, andere hatten Auswüchse. "Die meisten aber waren tot." Die Probe mit der reinen Maisstärke hat bewiesen, dass es nicht an der Grundsubstanz der Einkaufstüten liegen kann. Die chemischen Zusatzstoffe, die aus Erdöl hergestellt werden, müssen die Ursache für das Bakteriensterben sein. Und tote Bakterien können natürlich auch nichts zersetzen. Der junge Forscher vergleicht die Zusatzstoffe mit einem Leim, der die Maisstärke und damit die ganze Tüte zusammenhält. Man könne sie also auch nicht so einfach herausnehmen.
Mit seinem Forschungsergenis hat der 13-Jährige eine Herstellerfirma konfrontiert und sogar eine Antwort erhalten. "Kein Kommentar" war da zu lesen. Jan Matejsek schließt deshalb nicht aus, dass dem Hersteller das Problem bekannt ist.
In Dingolfing wird Jan Matejsek seine Arbeit vorstellen, seine Eltern sind dabei. Deshalb hat Petra Bieber, die den Wettbewerb am Schönborn-Gymnasium betreut, auch auf die Reise verzichtet. Sie hat ihrem Schützling aber kurz zuvor noch eine besondere Überraschung organisiert. Er durfte sich bei der Firma Preh in Bad Neustadt seine Bakterienkulturen unter einem Elektronenmikroskop anschauen.

Bekanntgabe der Sieger

Am heutigen Freitag wird Jan, der junge Forscher, das Ergebnis erfahren. Anfänglich, so berichtet er, habe er sich überhaupt keine Chancen ausgerechnet. Und dann ist er Sieger im Regionalwettbewerb geworden.
"Ich habe mich riesig gefreut", sagt Petra Bieber. Sie organisiert zwar alles um den Wettbewerb, der Forschungsbereich von Jan Matejsek fällt aber nicht in ihren Bereich.
Referendar Michael Kolb und Lehrer Roland Biernacki haben den 13-Jährigen unterstützt. "Das war ein perfekter Tag für uns", erinnert sie sich an den Regionalwettbewerb. Danach sei eine Jurorin auf sie zugekommen und habe Jan in den höchsten Tönen gelobt. "Es ist eine außergewöhnliche Arbeit und für sein Alter sehr professionell", hat es geheißen.

Detailliertes Wissen

"Als Schulleiter bin ich natürlich stolz und freue mich", sagt Oberstudiendirektor Joachim Schwigon. Normalerweise schnuppern die Schüler erst einmal bei so einem Wettbewerb rein, erläutert er. Jan Matejsek habe aber gleich beim ersten Mal einen ersten Preis erhalten. Beeindruckt zeigt sich der Schulleiter vor allem auch von dem detaillierten Wissen, das Jan besitzt. "Das ist einen Preis beim Landeswettbewerb wert", sagt Joachim Schwigon zu der Arbeit. "Sogar den ersten Preis."

Bericht der Saale-Zeitung / Main-Post vom 05.05.2017    Autor: Thomas Malz