Münnerstadt/Schweinfurt – Was niemand in Expertenkreisen erwartet hätte, wurde am Freitag, den 04.04.2014, in Schweinfurt Realität: Die Lehrermannschaft des Schönborn-Gymnasiums Münnerstadt sicherte sich bei der unterfränkischen Volleyballmeisterschaft der Gymnasien in der Georg-Wichtermann-Halle völlig überraschend die Vizemeisterschaft, die selbst in den kühnsten Träumen kein Aktiver zu erhoffen gewagt hätte.

2014 04 04 Volleyball Lehrer-2

Dabei hatte alles denkbar schlecht begonnen: Gleich im Auftaktspiel gegen den späteren Turniersieger, das Friedrich-List-Gymnasium Gemünden, hatten die Schönbornianer den Gegner zunächst klar im Griff, bis eine Serie von unerklärlichen Aussetzern das Team aus der Drei-Flüsse-Stadt auf 18:19 heranbrachte. Nun machten die Gemündener ihrem Namen alle Ehre. Als sich zwei Münnerstädter noch außerhalb des Spielfelds befanden und die übrigen noch gar nicht positioniert waren, griff die Truppe vom Main zu einer List, die schon eher als Hinterlist zu werten war, und erreichte, als die Spielzeit schon abgelaufen war, mit einem überraschenden Aufschlag-Ass den recht unsportlichen 19:19-Ausgleich, der vom höchst unerfah-renen Schiedsrichter auch noch anerkannt wurde. Da es kein Remis geben durfte, musste der nächste Punkt den Ausschlag geben. Und den machten die Listigen aus Gemünden gegen die ob der Fehlentscheidung im entscheidenden Moment völlig entnervten Mürschter.

Dass diese den Auftaktschock so schnell verdauten, lag nicht zuletzt an der inzwischen angereisten weiblichen Fangemeinde aus Kollegium und Schülerschaft, die ihr Team lautstark anfeuerte. Vergleichbares hatte keine andere der insgesamt zwölf angetretenen Schulen zu bieten. Zudem hatte man zu einem taktischen Kniff gegriffen und die Mannschaft umgebaut, indem man auf Erfahrung und Nervenstärke setzte: Nicole Bähr und Günther Pfennig waren neu ins Team gerückt. Die beiden nächsten Gegner, das Frobenius-Gymnasium Hammelburg und das Friedrich-Koenig-Gymnasium Würzburg, wurden in mitreißenden Partien jeweils klar mit 22:20 bzw. 20:18 vom Feld gefegt. Und nun war eines klar: Letzter würde man jedenfalls nicht mehr werden.

Voller Euphorie ging man nun die beiden noch ausstehenden Vorrundenduelle an, deklassierte zunächst die Mannen um Ex-Kollegen Hilmar Gilges deutlich mit 20:17 und letztendlich zog man im Lokalderby gegen das Jack-Steinberger-Gymnasium Bad Kissingen dem zwischenzeitlich mehrfach mit tw. vier Punkten in Front liegenden Gegner mit dem Glück des Tüchtigen schlussendlich durch einen 16:15- Triumph den Zahn. Unverdient war der Sieg dennoch nicht, denn in den letzten Minuten wirkten die Badestädter völlig ausgepumpt, zeigten Nerven und schlichen schließlich schweißgebadet und mit hängenden Häuptern vom Feld. Mürscht als Zweiter der Gruppe B in der Endrunde! Gruppensieger die Duselbären aus Gemünden, die alle Spiele gewinnen konnten, die meisten aber nur denkbar knapp und mit viel Fortune.

Im Halbfinale ein Hammerlos: die Lokalmatadoren vom gastgebenden Walter-Rathenau-Gymnasium Schweinfurt, der ausrich-tenden Schule, die souveräner Sieger der Gruppe A geworden war. Lange dominierte die Schnüdelmannschaft das Match, lag zeitweise deutlich. in Führung. Alle teilnehmenden Teams hatten Profis in ihren Reihen, keines aber solche von der Klasse eines Sebastian Hardt oder eines Heiko Menzel. Und Qualität gab eben auch in diesem vorentscheidenden Volleyballkrimi den Ausschlag: Im Schlussspurt mussten sich die Hausherren der unentwegt fightenden Schönborntruppe mit 20:22 geschlagen und sich später mit der Bronzemedaille zufrieden geben. Mürscht im Endpiel! Finale! Johohoho!

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Das erste Duell des Tages für Johann Philipp sollte auch das letzte sein: erneut die Listigen aus Gemünden! Da galt es etwas gutzumachen! Andererseits wäre der Turniersieg mit der Hypothek verbunden gewesen, im nächsten Jahr den Ausrichter beim UFM-Turnier zu geben. War das gut zu machen angesichts der aktuellen Hallensituation in Mürscht? – Wie dem auch sei – man ging beherzt und unverzagt in die Revanche und führte nach 90 Sekunden völlig verdient bereits mit 5:0. Den Gemündenern flogen die Bälle nur so um die Ohren, sie schienen nicht den Hauch einer Chance zu haben. Nach fünf Minuten Spielzeit plötzlich 8:5 für den Kontrahenten vom Main! Filmriss! Eine völlig unverständliche Serie von „unforced errors“: Aufschläge ins Netz, todsichere Schmettervorlagen landeten im Aus! Eine Folge von Übermotivation, besonders ausgeprägt bei den Zugpferden Hardt und Menzel! Man kämpfte sich noch einmal auf Augenhöhe heran, hatte man heute doch schon mehrfach Rückstände in der Schlussphase in Siege umzumünzen verstanden. Kurz vor Ablauf der Spielzeit plötzlich noch einmal unerklärliche Nervositätserscheinungen! Eine Mini-Negativserie und der schon angesprochene Dusel der Gemündener brachten diese mit vier Punkten in Front. Und nun packten sie wieder ihre Trickkiste aus, wechselten noch einmal aus, verzögerten nach allen Regeln der Kunst ihre Aufschläge. Zeit schinden hieß ihre Devise. In den letzten Sekunden kämpften sich die Schönbornianer noch einmal bravourös bis auf zwei Punkte heran, aber die Zeit reichte nicht mehr, um das Spiel noch zu drehen. Time out! Game over! 21:23! Johann Philipp ade!

Trotzdem stapften die frisch gebackenen Silberlöwen erhobenen Hauptes mit stolzgeschwellter Brust in die Duschen. Ihr Sensationserfolg wurde den Akteuren erst später bei der Siegerehrung in der Rathenau-Mensa so richtig bewusst…

2014 04 04 Volleyball Lehrer-1

Die erfolgreiche Equipe:
h.: G. Pfennig, H. Menzel, S. Hardt, C. Winkler, V. Ferrari
v.: U. Wagner-Kubitza, N. Bähr sowie T. Zarges