Zur Einstimmung auf die entspanntere Phase der schulaufgabenfreien Zeit vor Weihnachten gastierte das White Horse Theatre wieder mit zwei Stücken in englischer Sprache für die Unter- und Mittelstufe in der Aula unserer Schule.

Für unsere Fünft- und Sechstklässler wurden mit The empty chair die Nöte eines heranwachsenden Mädchens thematisiert, das den oft hektischen Alltag mit ihrer alleinerziehenden Mutter meistern muss  ohne einen Vater, dessen Stuhl leer bleibt, bis eines Nachts auf wundersame Weise ein Alien namens Jared auf den Weg zu ihnen findet und sich mit seiner einfühlsamen Art bald unentbehrlich macht.

01 An alien in the house

Im zweiten Teil des Tages wurden unsere siebten bis neunten Klassen Two Gentlemen vorgestellt, die bei ihren ersten Annäherungsversuchen an das andere Geschlecht sehr unterschiedlich vorgehen und dabei einen großen Scherbenhaufen zurücklassen.

Herzlicher Dank für die gewohnt reibungslose Organisation gilt StD Thomas Zarges.

 02 Jared the cook

03 Jared and Mrs Rumple like each other

04 Flying to the seaside

05 Alien calling on Jared

06 No more empty chair

Two Gentlemen

Für all jene, denen es bei der Vorbereitung im Unterricht entgangen sein sollte, stellte der Regisseur in seinen einleitenden Bemerkungen gleich zu Beginn klar, worum es im Wesentlichen ging: The love troubles of teenagers who are about your age.

Die erste Szene verortete den Schauplatz unmissverständlich an einer englischen Schule, augenfällig dargestellt durch eine Wand bunter Schließfächer, vor der sich die Schüler in ihrer rot-schwarz gehaltenen Schuluniform tummelten. Sehr schnell fokussierte sich das Geschehen auf die Hauptakteure, allen voran der von keinem Selbstzweifel geplagte Piers, der seinen hilfbereiten Freund Vincent für seine amourösen Abenteuer einspannt. Die beiden kennen sich schon seit Kindertagen, und Vincent, der in Kürze an eine boys-only boarding school wechseln wird, erfüllt ihm gerne den Wunsch und übergibt dessen Liebesbrief an die angebetete Julia. Vincent wundert sich, warum diese Botschaft in einen Brief verpackt und nicht über WhatsApp weitergeleitet wird, gibt das Schriftstück jedoch pflichtbewusst ab.

Auf dem Umweg über eine Freundin erhält Julia ihn tatsächlich, gibt sich jedoch kühl und uninteressiert und zerreißt das Papier in kleine Fetzen, die sie dramatisch in die Luft wirbelt. Als die Schulkameradin weg ist, setzt sie die Botschaft eilends wieder zusammen und ist überglücklich von Piers, einem von vielen Mädchen heißbegehrten jungen Mann, auserkoren zu sein. Ihre Liebe ist keine drei Wochen alt, als Piers von seinem alten Herrn überraschenderweise mitgeteilt wird, dass er sich dazu entschlossen hat, seinem Sohn dieselbe hochkarätige Ausbildung an der Internatsschule Malchester (eine fiktive Namensgebung mit ironisch-abwertendem Unterton) zuteil werden zu lassen wie sie sein alter Freund Vincent bereits genießt. Piers ist zwar nicht erfreut, reagiert aber auch nicht abwehrend, muss allerdings die Sache mit Julia noch klären.

07 Two Gentlemen

In Malchester angekommen stellt ihm Vincent, der mit Mädchen bis dato nichts am Hut hatte, seine Freundin Silvia vor, die Tochter des Schuldirektors und das einzige Mädchen am Ort. Da nebst weiteren Verboten der Umgang mit dem anderen Geschlecht an der Internatsschule ein absolutes no go ist, erfolgt die Bekanntschaft mit Silvia in aller Heimlichkeit. Piers, der mit Julia nur noch über sein Mobiltelefon Kontakt hält, findet sofort Gefallen an der attraktiven jungen Frau und bannt sie sogleich auf ein Selfie, ohne lange zu fackeln. Als er von dem geplanten heimlichen Treffen zwischen den beiden zu nächtlicher Stunde erfährt, wittert er seine Chance, den Nebenbuhler loszuwerden und verpetzt seinen besten Freund an Mrs Dukes, das Stereotyp einer verschrobenen ältlichen Lehrerin. Die beiden werden auf frischer Tat ertappt und Vincent muss die Schule unverzüglich verlassen.

Piers versucht, bei Silvia zu landen, indem er ihr alle möglichen Lügenmärchen über Vincent auftischt, kann sie jedoch nicht wirklich überzeugen. Sie glaubt an Vincents aufrichtige Gefühle  zu Recht, denn er unterscheidet sich ganz und gar von Piers, der seine Großspurigkeit und Ichbezogenheit bis zuletzt kultiviert, als eigentlich schon alles verloren ist. Piers zerstört mit seiner Verlogenheit alle Beziehungen, glaubt aber bis zum Schluss, er könnte durch einen schnellen Rückzieher alles wieder ins Lot bringen und Julia zurückgewinnen. Bei ihrem Inkognitobesuch als Sebastian erfährt sie unweigerlich von Piers' Untreue und solidarisiert sich mit Silvia. Schließlich wendet sich auch Vincent von ihm ab und Piers steht alleine da.

Die Zuordnung zu Richtig und Falsch geht aus dem Handlungsablauf unmissverständlich hervor  eine Hinterfragung von Piers' Motiven ist nicht die Absicht des Stückes. Sehr deutlich wird herausgestellt, welche negativen Folgen sein Handeln für alle Beteiligten hat. Trotz des an manchen Stellen etwas forciert wirkenden plots ist die schauspielerische Leistung aller Akteure zu würdigen, die eine überzeugende Darstellung der jeweiligen Befindlichkeit ihrer Charaktere abgegeben haben.

Sehr wirksam unterstützt wurde die Atmosphäre durch passende Hintergrundmusik und eine sehr wandelbare Kulisse. Wer sich konzentriert auf das Stück einließ, konnte nicht nur für sein passives Verständnis des Englischen profitieren, sondern auch etwas fürs Leben mitnehmen.

StDin Margot Dörr