Hochverdienter 2:1-Sieg der Lehrermannschaft über die Abituria 20152015 06 Abifussball-HPEin lange nicht mehr gepflegtes Ritual: Siegestanz des Teachers´Dream Teams - südthüringische Hard(t)-Rock-Version

Hier der ausführliche Spielbericht:

Der 23. Juni 2015 wird als historischer Tag in die Annalen des Schönborn-Gymnasiums eingehen. Die Pädagogen staunten nicht schlecht, als sie im Morgengrauen auf den Vertretungsplan schauten. Der hierfür zuständige Mann, Oliver Süssner, im Zweitberuf Stoßstürmer des Lehrerteams, hatte sich einen tollen Gag einfallen lassen: Knapp 61 Jahre nach dem „Wunder von Bern“, als Chefcoach Jogi Schwigon noch gar nicht das Licht der Welt erblickt hatte, präsentierte Süssner wie auf einem Filmplakat die Losung des Tages, die ihm in der vorangegangenen Nacht ein Engel im Traum offenbart hatte: O. S. prophezeite „Das Wunder von Mürscht“ sprich: einen Sieg des krassen Außenseiters, ergo der Pädagogentruppe – ein absoluter Adrenalinstoß für die in den vergangenen Jahren durch Verletzungspech und Schiri-Fehlentscheidungen arg gebeutelte Lehrer-Mannschaft. Viele wussten gar nicht mehr, wie man „SIEG“ schreibt. Auch diesmal konnte man nur eine B-Elf auf den Rasen schicken, fehlten doch bspw. Top-Stars wie Keim, Doppelweltmeisterin Greithanner oder Allrounder Pit Neugebauer.

Die Abiturienten, im schicken weinroten „Club“-Trikot, strotzten vor dem Spiel nur so vor Selbstbewusstsein wie weiland Goliath, die Teacher-Crew in schlichtem Marine-Blau wirkte dagegen recht bescheiden beim Aufwärmen und erinnerte ein wenig an den Hirtenjungen David. Vier Damen hatte man im Aufgebot, acht Herren, dazu noch den durch Verletzung gehandicapten Benkert, dem aber ein Tapferkeitsorden gebührt, da er sich dennoch dem Duell stellte, seine Sache toll machte, aber schließlich nach einem üblen Foul ausscheiden musste. Auf der andern Seite standen ca. 30 hoch motivierte Jungs, dazu noch eine Reihe durchtrainierter Girls – eine zahlenmäßig dreifache Übermacht!

Das Match begann auf beiden Seiten mit einem vorsichtigen Abtasten. Man schob sich die Kugel zu und achtete auf Ballbesitz. Dann der erste Angriff der Abituria, der mit einem Schuss in die tief hängenden schwarzen Wolken abgeschlossen wurde.. Zwei Minuten später eine Kopie der ersten Attacke! Als kurz darauf noch ein drittes Mal dasselbe passierte, wurde die Wolke wütend und fing vor Zorn an zu weinen: Fritz-Walter-Wetter! Wie 1954 in Bern! Für die Älteren ein Wink des Himmels! Auch für Daniel Gehret, der eigentlich unabkömmlich und für einen Einsatz gar nicht vorgesehen war, aber dann doch durch cleveres Taktieren freigeeist werden konnte. Sein Geburtsjahr liegt gut eine Generation nach Germanys erstem WM-Triumph über die damals als unbesiegbar geltenden Ungarn. Aber den Namen Helmut Rahn hatte er schon mal gehört. Der Mann mit dem Donner-Bums! Und just dieser Gehret, einer der Jüngsten in der Schönborn-Arena (zumindest bei den Blues), sollte den Unterschied machen. Als ihm ein fetter Regentropfen auf den Hinterkopf platschte, fühlte sich der coole Daniel zu einem Hammer inspiriert: ein Strich, der kurz vor Abi-Keeper Rappelt auf dem regennassen Rasen noch tückisch aufsetzte und unhaltbar ins Abi-Gehäuse einschlug: 1:0! Man schrieb gerade die 7. Spielminute. Die Abituria wirkte geschockt und antwortete mit wütenden Sturmläufen, allerdings meist konfus und konzeptlos. Die Damen im Lehrerteam – (Dr.!) Anke, Christiane, Christine und Nicole – machten abwechselnd im Mittelfeld die Räume eng und wirbelten dort so quirlig, als gäbe es kein Morgen! Dem „FC Geyer“, benannt nach seinem „Messi-Star“, fehlte einfach die Effizienz. Man spielte gefällig und elegant von hinten heraus und temporeich in der Spitze, aber das Schießpulver schienen sie nicht erfunden zu haben. Immer wieder mussten sich die Wolken über die Abschlussversuche ärgern und vergossen stoß(berg)weise ihre Fritz-Walter-Tränen…

Schönspielerei bei den Oldies? No!!! Mitnichten!! Nur pure Effektivität! Das Mittelfeld wird mit weiten Schlägen von hinten heraus schnörkellos und blitzschnell überbrückt, so dass taktisch klug Kampfkraft gespart werden kann. Beispiel 18. Min.: Ein weiter Stoßberg-Abstoß – erneut steigt Gehret hoch und kopiert den legendären Uns-Uwe-Hinterkopfball, überlobbt damit den machtlosen Rappelt im Abi-Kasten, das Leder zappelt erneut in den Maschen! Der Mann mit dem Prophetennamen Daniel: Sollte ausgerechnet er die Prophezeiung des Neuzeit-Propheten Oliver S. wahr machen? Nach dem 0:2-Schock liefen die Abiturienten nun wirklich Amok, aber ihr Superstar Geyer wurde von Stoßberg kaltgestellt und blieb das ganze Spiel über stichlos. Was nicht bei Stoßberg landete, wurde vom souveränen Hack abgeräumt oder blieb beim eiskalt auftrumphenden Mayerl hängen. Vorne sorgten neben Gehret der baumlange Hardt, der trickreiche Benkert, der listige Süssner sowie der lauffreudige Eisenhuth, der in Statur und Spielweise lebhaft an den legendären Berti Eisenfuß-Vogts erinnerte, für ständige Unruhe und brachten Rappelt derart zur Verzweiflung, ja fast zum Wahnsinn, dass dieser sich in der Pause völlig frustriert auswechseln und durch Schilling ersetzen ließ, der sein Team im weiteren Spielverlauf durch einige Glanzparaden vor der völligen Deklassierung rettete.

Halbzeit: Es folgte aus Abiturientensicht das Highlight des gesamten Duells – der Auftritt der weiblichen Cheerleaders, die offensichtlich ihr Geschäft perfekter verstanden als ihre balltretenden Kollegiaten, von denen eine ganze Reihe im zweiten Durchgang völlig durchdrehten, die Sense auspackten und nach allem traten, was sich bewegte, nur nicht nach dem Ball. Im Übereifer foulten manche sogar sich selbst und forderten dafür noch Strafstoß (vermutlich Bayernfans).. Wenn tatsächlich mal Gefahr drohte, wurde diese von Lehrerkeeper Pfennig stets eiskalt entschärft..

Der einzige Abiturient mit Sieger-Gen (nomen est omen!) hieß Julius (wie Caesar) Hermann (wie der Cheruskerfürst). Ihm blieb es vorbehalten, das Ehrentor der Abituria 2015 zu erzielen. Als keiner mit einem Schuss rechnete, feuerte er heimtückisch eine verdeckte Granate ab, die wie ein Torpedo genau neben dem Pfosten einschlug. Noch war eine Viertelstunde Zeit, das Match noch zu drehen. Es entspann sich ein Fußballkrimi von allerhöchster Spannung. Moderatorin Jessica Kutscher brüllte mit sich überschlagender Stimme ins Megaphon und versuchte ihre Truppe noch mal heiß zu machen. Die meisten Prüflinge waren aber inzwischen nicht nur „reif“, sondern auch platt und brachten nur noch Fehlpässe und Kullerbällchen zustande. Auf der anderen Seite gab es noch reihenweise Möglichkeiten, die Youngsters zu deklassieren, doch der Lehrersturm ließ Gnade walten – und die Abituria 2015 war mit der knappen Niederlage noch extrem gut bedient…

Auf der einen Seite endete ein Alptraum, auf der anderen Seite gab es Freudentänze, angeheizt durch Obermotivator Sepp Hardt. So ist nun mal das Leben: har(d)t, aber herzlich…

Günther Pfennig alias Herbert Zimmermann